Nachricht | Neujahrsempfang der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg

im Zeichen russischer Revolution und kritischer Reflexion

Am 23. Januar leiteten wir unsere politische Bildungsarbeit für dieses Jahr mit unserem Neujahrempfang im Potsdamer Filmmuseum ein. Insgesamt 140 Mitglieder, Kooperationspartner*innen, Referent*innen, Landtagsabgeordnete, Kolleg*innen aus der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin, Staatssekretäre und weitere Gäste folgten unserer Einladung. Anwesend waren auch der Brandenburgische Finanzminister und Vorsitzende Der LINKEN in Brandenburg, Christian Görke, und der Minister der Justiz und für Europaangelegenheiten, Stefan Ludwig. Der thematische Rahmen des Abends wurde durch das 100. Jubiläumsjahr der Russischen Revolutionen abgesteckt. 

In seiner Begrüßungsansprache betonte unser Vorsitzender, Steffen Kludt, vor welch großen Herausforderungen die politische Bildung in Zeiten von „Hate Speech“ und „Fake News“ und angesichts  des fortschreitenden Erstarkens der Rechten steht. Auch Christian Görke merkte an, dass die Linke noch vielen politischen Entwicklungen dieser Zeit fragend gegenüber stehe. Statt voreilige Antworten zu präsentieren,  forderte er insbesondere von Linken Sachlichkeit in der Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern. Daher spiele auch die politische Bildung als Befähigung zur sachlichen politischen Auseinandersetzung eine besondere Rolle.

Wie auch in den Vorjahren war ein zentraler Programmpunkt des Abends die Verleihung des Förderpreises der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Der Preis wird jährlich für Nachwuchsautor*innen ausgeschrieben, die ein wissenschaftliches, publizistisches oder künstlerisches Werk geschaffen haben, das sich im Geiste Rosa Luxemburgs kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Fragestellungen auseinandersetzt. 2016 prämierte das Kuratorium die Masterarbeit von Manuel Disegni, die er an der Humboldt-Universität Berlin mit dem Titel „Ursprung' im Geschichtsdenken von Marx und Walter Benjamin. Historische Erkenntnis und die Kritik der politischen Ökonomie und der Rechtswissenschaft“ eingereicht hatte. Dass mit der Auswahl dieses Textes auch auf einen aktuellen Bedarf in der politischen Bildungsarbeit geantwortet wird, liegt nicht nur am 150. Jubiläumsjahr von Marx Schrift „Das Kapital“, sondern auch an der konkreten Resonanz, die wir von politischen Bildungsveranstaltungen über theoretische Grundlagen der Kapitalismusanalyse und  –kritik  erfahren. In den derzeitigen verunsicherten politischen Verhältnissen wird besonders bei jungen Menschen ein Bedürfnis erkennbar, sich tiefgreifend mit den Ursachen kapitalistischer Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche zu befassen. Dieses Bedürfnis wird auch in diesem Jahr in unserem Bildungsprogramm Berücksichtigung finden.

Anlässlich des 100. Jahres nach den Russischen Revolutionen wurde ein Zusammenschnitt aus dem 1963 erschienen Film „Das Russische Wunder“ der Regisseure Annelie und Andrew Thorndike gezeigt. Aus einer durch die Entstehungszeit des Filmes (1959-1963) geprägten Sichtweise schildert der Film eindringlich die Anfänge, den Verlauf und die Folgen der russischen Revolution. Die Filmvorführung schloss mit einem Ausschnitt aus einer Diskussion an der Humboldt-Universität Berlin im Jahre 1992 und hier mit der Frage, wieso es das emanzipatorische Potenzial dieser Revolution nicht geschafft hat, in eine langfristig emanzipatorische Entwicklung zu münden. Nachdenklich stimmte auch die Musik von Tino Eisbrenner, dem chilenischen Musiker Ernesto Villalobos und dem russisch-ukrainischen Ensemble Towa Jowa, die das Programm des Abends mitgestaltete. So starteten wir mit kritischer Reflexion, großen Herausforderungen und der Hoffnung auf die Kraft der sachlichen Auseinandersetzung in ein neues Jahr linker politischer Bildung in Brandenburg.

Die mit dem Förderpreis 2016 ausgezeichnete Arbeit ist unter dem Titel "Die Aktualität des Ursprungs. Historische Erkenntnis bei Marx und Walter Benjamin" im Verlag WeltTrends erschienen: welttrends.de